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05. Jänner 2017 | Wirtschaft

Die rot-schwarze Arbeitsplatzvertreibung

Bereits jedes siebente österreichische Unternehmen will in den nächsten Jahren seine Produktion ins Ausland verlagern

www.voestalpine.com

Nicht nur heimische Großunternehmen wie die voestalpine oder die Lenzing AG bauen ihre Auslandsaktivitäten aus. Immer mehr Betriebe fliehen vor der hiesigen Bürokratie, den hohen Lohnneben-kosten und den steigenden Umweltauflagen aus Österreich. SPÖ und ÖVP sehen dieser Arbeitsplatz-Auswanderung tatenlos zu.

Die „Steuerreform“ 2016 der rot-schwarzen Koalition hat das Wirtschaftswachstum im Vorjahr nur kurzfristig aufgepeppt und wird heuer endgültig verpuffen. Denn die kalte Progression und die durch Gebühren- und Abgabener-höhungen angekurbelte Inflation fressen den letzten Rest dieses konjunkturellen Strohfeuers auf. Um matte 1,5 Prozent wuchs Österreichs Wirtschaft 2016, so die Berechnungen der Wirtschaftsforscher von WIFO und IHS zum Jahresende. Und die Aussicht 2017? Das WIFO rechnet für heuer erneut mit 1,5 Prozent realem BIP-Zuwachs, für 2018 dann nur noch mit 1,4 Prozent.

Arbeitsplätze für Einwanderer

Viel zu wenig, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit auch nur ansatzweise zu senken. Im Gegenteil, die Arbeitslosigkeit wird wegen des Andrangs von osteuropäischen Arbeitssuchenden und der steigenden Asyl-Anerkennungszahlen heuer nochmals ansteigen. Bis 2018 soll, so die Wirtschaftsforscher, die Arbeitslosenrate nach nationaler Berechnung auf rund 9,5 Prozent im Jahresschnitt hochklettern. Zudem dämpfte dieser Überhang an Arbeitskräften die Lohn- und Einkommenszuwächse. Die in der Herbstlohnrunde erzielten Kollektivvertragsabschlüsse bringen 2017 für die österreichischen Arbeitnehmer wieder den unter Rot-Schwarz bereits gewohnten Reallohnverlust.

Keine Aktivität der Koalition

„Die Wirtschaftsforscher bestätigen unsere Kritikpunkte an der Bundesregierung vollinhaltlich“, zeigte sich FPÖ-Wirtschaftssprecher Axel Kassegger von der „Lernresistenz der Bundesregierung“ enttäuscht. „Im öffentlichen Bereich wurden bei weitem noch nicht alle Effizienzpotenziale durch Reformen gehoben, und weitere Reformschritte, etwa bei den Lohnnebenkosten, sind absolut notwendig“, mahnt Kassegger. Auch die Experten der EU-Kommission, der OECD und der Nationalbank warnten wiederholt, dass Österreichs Exporteure seit 2008 stetig Marktanteile verlieren. Die steigenden Lohnstückkosten sind eine Erklärung dafür. Diese sind in Österreich seit 2008 um 15,9 Prozent gestiegen, während sie im EU-Schnitt nur um 9,8 Prozent zugelegt haben. Aber nicht wegen zu hoher Löhne, sondern wegen Steuern, Abgaben und Umweltauflagen. Österreich ist, gemessen an der wirtschaftlichen Gesamtbewertung, im Euroraum daher bereits vom neunten auf den zehnten Platz zurückgefallen. Niedrigere Steuern und Abgaben oder flexiblere Arbeitszeiten könnten helfen, der Produktivität im Land wieder zu steigern. „Darauf zu warten, dass die Wirtschaft wieder in Schwung kommt und al-les in Ordnung bringt, ist nicht genug“, warnt auch WIFO-Ökonom Thomas Leoni.

Arbeitsplätze „wandern aus“

Bereits jedes siebente Industrieunternehmen im Land plant laut einer Befragung des WIFO ernsthaft, zumindest Teile seiner Produktion in den kommenden fünf Jahren aus Österreich abzuziehen. Nach der Errichtung eines Werkes in Texas überlegt etwa der heimische Paradekonzern voestalpine jetzt in Mexiko eine eigene Autoteilefertigung. 2019 muss für die Kokerei und zwei Hochöfen in Linz eine Entscheidung für Ersatzanlagen fallen. Konzernchef Wolfgang Eder zu den Arbeitsplatzaussichten der rund 11.200 Beschäftigen in Oberösterreich: „Wir müssen uns dann die grundsätzliche Frage stellen, was langfristig der richtige Standort ist. Das Wachstum wird nicht mehr in Europa stattfinden.“ Derzeit werden bereits 30 Prozent der Produktion außerhalb Europas erledigt, in zehn Jahren sollen es 50 Prozent sein. Klarer kann ein Reformauftrag an die rot-schwarze Koalition nicht formuliert sein. Auch was den Facharbeiterzustrom durch das Asylwesen betrifft, hat die voestalpine ihre Erfahrung gemacht: Im vergangenen Jahr wurden 33 junge Zuwanderer, denen der Asylstatus zuerkannt wurde, ausgebildet. Von den 33 schafften es 16, in eine Lehre zu gehen. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Euro.

NFZ 05.01.2017


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