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12. Oktober 2017 | Medien

Die Auslandspresse zum Nationalratswahlkampf

Von der rot-schwarzen Schlammschlacht bis hin zum Schlamm-Catchen nach Wiener Art.

Neue Züricher Zeitung

Rot-Schwarze Schlammschlacht

Österreichs Wahlkampf gerät in seiner Endphase immer mehr zur Schlammschlacht. In der Affäre um die gefälschten Facebook-Seiten, die ein Team des israelischen SPÖ-Beraters Tal Silberstein zur Diskreditierung des ÖVP-Chefs Sebastian Kurz bis am Wochenende betrieben hatte, kommt nun auch die ÖVP unter Druck. (...) Die Konkurrenz sieht derweil einen Tiefpunkt der politischen Kultur erreicht. Wie sich die Affäre bei der Wahl in einer Woche auswirkt, ist offen. Beobachter mutmassen, dass sie den ohnehin hohen Ärger über die Politik weiter schürt und deshalb am ehesten der FPÖ nützt. Beispiellos dürfte jedenfalls die gegenseitige Klagedrohung zweier Regierungspartner sein. Der vorläufige Höhepunkt im zerrütteten Verhältnis zwischen SPÖ und ÖVP macht eine Neuauflage der grossen Koalition nach der Wahl noch weniger denkbar.

Frankfurter Allgemeine Zeitung für Deutschland

Wiener Schmutz statt Schmäh

Der österreichische Wahlkampf versinkt eine Woche vor dem Urnengang immer tiefer im Schlamm gegenseitiger Spitzel- und Täuschungsvorwürfe zwischen den bisherigen Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP. (...) So ergibt sich das Bild zweier ehemaliger Koalitionspartner im schwersten Rosenkrieg. Die rechte Partei FPÖ, deren Vorsitzender Heinz-Christian Strache ebenfalls als Kanzlerkandidat auftritt, hält sich derweil mit Einlassungen zurück. Sie schweigt und genießt.

Der Spiegel

Intrigantenstadl Österreich

Zwei Wochen vor der Wahl in Österreich gleitet der Wahlkampf ab in eine Schlammschlacht. Es geht um gefälschte Facebook-Seiten. Im Zentrum steht ein israelischer Spezialist für Schmutzkampagnen. (...) Die Enthüllungen über die Facebook-Seiten sind nur ein neuer Tiefpunkt in einem von Niedertracht und Missgunst geprägten Wahlkampf. Die Wiener Wochenzeitung „Falter“ veröffentlichte zum Beispiel im September vertrauliche interne Unterlagen aus dem Büro von Sebastian Kurz, die nahelegten, dass er die Machtübernahme in der ÖVP sowie seine Kanzlerkandidatur von langer Hand geplant hatte - inklusive „Dirty Campaigning“. Einige Tage später veröffentlichte das Boulevardblatt „Österreich“ ein Dossier, das ein äußerst kritisches Bild von Kanzler Kern zeichnet. (...) So absurd also jetzt die Vermutung von SPÖ-Politikern klingt, die ÖVP habe Silberstein zuletzt engagiert - undenkbar ist in diesem ganz großen Intrigantenstadl nichts.

Süddeutsche Zeitung

Schlamm-Catchen nach Wiener Art

Dies war definitiv der schmutzigste Wahlkampf, den das Land je gesehen hat. Abgründe tun sich auf an allen Ecken. Es geht um Lügen und Intrigen, um Bespitzelung und um gezielt gestreute Fake News. Statt über Sozialsysteme oder Steuerkonzepte streiten die Spitzenpolitiker darüber, wer wem wie viel Geld für den Verrat geboten hat. Das ist Schlamm-Catchen nach Wiener Art. (...) Aber um Aufklärung geht es ja gar nicht, sondern darum, möglichst viele Nebelschwaden über den Abgründen wabern zu lassen. Dass dies Tradition hat im Land, sieht man daran, dass noch heute Parlamentsausschüsse versuchen, finstere Vorgänge aus den Zeiten der ÖVP-FPÖ-Koalition anno 2000 bis 2006 auszuleuchten. Nach diesem Wahlkampf-Wahnsinn aber ist die Lage so ernst, dass die Politik erhebliche Selbstreinigungskräfte aktivieren muss, um Vertrauen zurückzugewinnen. Eine erste Quittung dürften die Wähler schon am Wahltag ausstellen. (...) Profitieren dürfte davon in jedem Fall die rechte FPÖ. Doch einen strahlenden Sieger kann es nach diesem Vorlauf ohnehin kaum noch geben. Beschä- digt sind nicht nur die Parteien und die Kandidaten. Die gesamte politische Kultur ist an einem Tiefpunkt angelangt.

NFZ 12.10.2017


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