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09. November 2017 | Medien

Die ORF-Ära Wrabetz: Im Auftrag der Partei

Unter Generaldirektor Alexander Wrabetz mutierte der ORF zum „Wünsch-Dir-Was-Sender“ des Kanzleramts.

Im Juni wollte sich nur noch jeder dritte Österreicher ein Programm des ORF antun. Die Unzufriedenheit mit den Sendeinhalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wächst, zu offensichtlich ist die Anbiederung an die SPÖ in den Informationssendungen – und das alles ist verbunden mit ORF-Langzeit-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Im September präsentierte das Nachrichtenmagazin „profil“ eine Umfrage, wonach 46 Prozent der Österreicher an eine parteipolitische Bevorzugung in der ORF-Berichterstattung glauben – mit eindeutiger Schlagseite in Richtung der SPÖ. Wenig verwunderlich nach dem „Sommergespräch“ mit SPÖ-Kanzler Christian Kern oder den Extravaganzen seines Vorgängers Werner Faymann, der sich zuletzt nur noch per Live-Schaltung ins Bundeskanzleramt interviewen ließ oder die Diskussionssendung „Im Zentrum“ mit einem Soloauftritt beehrte.

ORF ist bei SPÖ Kanzlersache

„Die Einladung in ORF-Sendungen sind journalistische Entscheidungen, und diese werden ausschließlich von den Journalistinnen und Journalisten des ORF getroffen“, wies ORF-Fernseh-Chefredakteur Fritz Dittlbacher die Kritik zurück. Dittlbacher, vom ehemaligen SPÖ-Parteiorgan „Arbeiterzeitung“ in den ORF gewechselt, steht symptomatisch für rote ORF-Karrieren. 2010 wurde er auf ausdrücklichen Wunsch Faymanns von ORF-General Alexander Wrabetz zum TV-Chefredakteur befördert, gegen den Widerstand des damaligen Informationsdirektors Elmar Oberhausers. Dieser wurde auf Vorschlag von Wrabetz durch den ORF-Stiftungsrat mit den Stimmen von SPÖ, Grünen und linken Betriebsräten von seiner Funktion abgewählt. 2011 soll Dittlbacher einen Beitrag über die „Inseraten-Affäre“ rund um seinen Förderer und dessen Medienstaatssekretär Josef Ostermayer durch eine unverfänglichere Moderation ersetzt haben – ganz klar eine „ausschließlich journalistische Entscheidung“.

Wrabetz‘ gescheiterte Reform

Nach dem Kanzlerwechsel 2016 gab Dittlbacher in der „Zeit im Bild“ eine Wahlempfehlung für den grünen Präsidentschaftskandidaten ab: „Die Unsicherheit im Land steigt natürlich durch den Rücktritt eines Kanzlers. Das könnte schon dem berechenbareren Kandidaten – und das wäre Van der Bellen – durchaus nützen, weil im Endeffekt dann doch viele lieber die Sicherheit als die Eskalation haben.“ Zugelassen hat das alles ORFChef Alexander Wrabetz. Im Juli 2016 – einen Monat vor seiner Wiederwahl – legte der ORF-General den Stiftungsräten sein Wahlversprechen vor: In seinem Konzept „#ORF2021“ kündigte er neben vielen anderen Maßnahmen eine „Stärkung der Vielfalt und Unabhängigkeit“ der ORF-Information an. Wrabetz erhielt seine dritte Amtszeit, aber die Reformen kamen nicht. Die sollen bisher „ZiB2“-Moderator Armin Wolf in Kooperation mit seinem Chefredakteur Dittlbacher und Redakteurssprecher Dieter Bornemann verhindert haben, berichtete „Die Presse“ nach einer turbulenten Sitzung des Stiftungsrates im vergangenen Mai. Und daran soll sich nicht allzu viel ändern, da auf Anordnung von SPÖ-Kanzleramtsminister Thomas Drozda der ehemalige SPÖ-Kommunikationschef Heinz Lederer in den Stiftungsrat einzog, und das gleich als Leiter des SPÖ-„Freundeskreises“.

Selektives „Sparprogramm“

Diese Politik forderte „Opfer“. Wrabetz hat seine Direktoren immer wieder nach politischen Wünschen umbesetzt. Manche gingen freiwillig, andere wie Oberhauser nur per Abwahl. Allein 2010 und 2011 hat der ORF laut Rechnungshof insgesamt 62,3 Millionen Euro an Abfertigungen für 413 ORF-Mitarbeiter bezahlt – ergibt pro Kopf eine Summe von 150.000 Euro. Bis 2015 sollen über Wrabetz‘ „Sparprogramm“ noch einmal kolportierte 45 Millionen Euro an Abfertigungen dazugekommen sein, um weitere Mitarbeiter loszuwerden. Dies auch vor dem Hintergrund, dass, wie 2014 beschlossen, alle ORF-Einheiten im Zentrum am Kü- niglberg in Wien-Hietzing – nach dessen Sanierung – zusammengeführt werden sollen, um Kosten zu sparen. Der Kostenvoranschlag dieser Wrabetz‘schen „#ORF2021“- Idee: 303 Millionen Euro – falls ihm nicht eine ORF-Reform der neuen Regierung zuvorkommt.

NFZ 09.11.2017


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