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12. September 2019

Hofer im ORF-„Doppel-Duell“ gegen Pilz und Kurz

Pilz wie auch Kurz bissen sich an Herbert Kickl und den „Einzelfällen“ der FPÖ fest – Hofer konterte souverän und stellte die Wichtigkeit einer stabilen Regierung in Zeiten einer beginnenden Rezession in den Vordergrund.

Foto: Screenshot ORF

FPÖ-Parteichef Nobert Hofer hatte am Mittwoch Großkampftag im ORF: Bei den Wahlkampf-„Duellen“ im Hauptabendprogramm musste er zunächst gegen Liste-Jetzt-Gründer Peter Pilz und – quasi als Höhepunkt – ganz am Schluss der fünf „Duell“-Runden gegen ÖVP-Chef Sebastian Kurz antreten.

Herumreiten auf „Einzelfällen“

Es wäre nicht der ORF, hätte Moderator Martin Thür nicht gleich zu Beginn nach dem neuen FPÖ-„Skandal“ gefragt: Nach Ursula Stenzel bei den Identitären soll nun in Oberösterreich ein solcher gar auf der Landesliste kandidieren – „die Liste der Einzelfälle wird immer länger“.

Hofer konterte gelassen, dass der Mann ihm versichert habe, bei den Identitären weder schriftlich noch mündlich jemals Mitglied gewesen zu sein und sogar den Rechtsweg gegen die Verbreiter dieser Nachricht beschreiten will. Die Partei werde das aber genau prüfen – sollte an den Vorwürfen etwas dran sein, drohe ein Parteiausschluss.

„Hut ab vor Unternehmern wie Mateschitz“

Mit der Erhöhung nicht nur der Mindestpensionen, finanziellen Verbesserungen bei kleinen Einkommen und dem Familienbonus Plus habe man für kleine Verdiener sehr viel getan, so Hofer. Man müsse aber auch nicht immer auf die bösen Unternehmer losgehen: „Ich ziehe den Hut vor einem Herrn Mateschitz, der bei Null angefangen hat, viel erreicht hat und damit auch viel für Österreich tut“, betonte Hofer.

„Paartherapie“ mit Kurz als „moralischer Instanz“

Was störte, war die etwas abgehobene Art und Weise, wie Kurz der FPÖ eine „Veränderung“ nahelegte, und zwar in Richtung des „freundlichen Hofer“, weg vom „Bulldozer“ Kickl. Er suggerierte der FPÖ als potentiellem neuen/alten Koalitionspartner somit, sie müsse sich ändern (nicht etwa die ÖVP) – und säte gleichzeitig, wie damals die Schüssel-ÖVP, Zwietracht, in der Hoffnung auf eine Spaltung der FPÖ-Doppelspitze – und somit der Partei.

Kickl war in sensiblen Situationen nicht der Richtige“

Zunächst versucht Kurz ja noch, Kickls Demontage nach Auftauchen des „Ibiza-Videos“ als Notwendigkeit zu verkaufen. Der Innenminister habe schon vorher viel an Vertrauen verspielt, etwa durch die BVT-Affäre. Kickl sei zudem dafür bekannt gewesen, „in sensiblen Situationen nicht der Richtige“ zu sein, während er, Kurz, immer nur bemüht gewesen sei, die Regierung zusammenzuhalten.

„Viele Erfolge von Türkis-Blau waren welche des Innenministers“

Hofer beeilte sich, so viel Eigenlob ein wenig zu relativieren: Immerhin seien viele Erfolge der türkis-blauen Regierung auf die Kappe des Innenministers gegangen, vom verstärkten Grenzschutz über vermehrte Abschiebungen bis hin zu schnelleren Asylverfahren.

„Wünsche mir keine Sigi Maurer als Ministerin“

Auf die Frage von Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbachers, ob er das auch hier geäußerte strikte Nein von Kurz zu einem neuen Innenminister Kickl zur Kenntnis nehme, meinte Hofer lächelnd, das werde der Wähler am 29. September entscheiden. Er würde sich umgekehrt auch wünschen, es gebe im Falle von Schwarz-Grün keine Sigi Maurer als Ministerin.

Und wieder: Die schlimmen „Einzelfälle“

Wie derzeit üblich, begann dann auch Kurz, den Lorenz-Dittlbacher anscheinend lieber reden hörte als Hofer und ihm ständig mehr Redezeit überließ, über die „vielen Einzelfälle“ der FPÖ zu klagen. Vom „Ratttengedicht“ bis „Ibiza-Affäre“. Das sei auch der Grund für die Probleme in der ansonsten harmonisch laufenden Koalition gewesen. Wobei selbst Kurz diesbezüglich darüber klagte, dass „in Österreich gerne bei Links weggeschaut wird“. Keine ganz neue Erkenntnis.

„Einzelfälle gab es auch in der ÖVP“

Prompt verwies Hofer darauf, dass es auch in anderen Parteien „Einzelfälle“ wie die SPÖ-Langenzersdorf, das „Dosenschießen“ auf Regierungsmitglieder oder die Behauptungen gebe, die FPÖ habe ihr Parteilokal in St. Pölten selbst angezündet. Auch bei der ÖVP habe es eine Whats App-Gruppe der AktionsGemeinschaft gegeben, die sich über Anne Frank lustig gemacht hätte oder die burgenländischen Gemeinderäte im „Nazi Keller“.

Gedenken an Sieg über Türken im Sinne Österreichs wichtig

Als Sebastian Kurz weiter auf dem Thema herumritt – Stichwort Identitäre – hielt ihm Hofer die Fakten entgegen: Ursula Stenzel sei vom Wiener Akademikerbund zum Gedenken der Türkenbelagerung eingeladen worden, zudem sei das Thema ja tatsächlich ein sehr wichtiges, wenn man bedenke, was mit Österreich bei einem Sieg der Türken passiert wäre. Und der angeblich identitäre FPÖ-Kandidat in Oberösterreich sei eben keiner, das sei schlicht unwahr.

Ich könnte jetzt fordern, die ÖVP soll ihren Schuldenberg abbauen“

Kurz‘ Hinweis, die FPÖ habe, sollte sie koalitionstauglich werden wollen, noch einen Weg der Veränderung vor sich quittierte Hofer elegant: „Ich könnte jetzt auch fordern, die ÖVP müsse zuerst einmal ihren enormen Schuldenberg von 20 Millionen Euro abbauen – aber das tu ich nicht.“ Bei der sich in Europa abzeichnenden Rezession sei es für Österreich ganz wichtig, eine stabile Regierung zu bekommen. Und dafür stehe die FPÖ.


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