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13. April 2017 | Islam

Igler: Wir erleben eine religiöse Verfolgung wie nie zuvor

Im NFZ-Interview macht Kurt Igler, der Österreich-Chef des überkonfessionellen Hilfswerks „Open Doors“, dafür die Politisierung und Radikalisierung des Islam verantwortlich.

Kurt Igler

Foto: NFZ & Open Doors

Die Verfolgung aus religiösen Gründen wächst weltweit, vor allem gegenüber Christen. Kurt Igler, Österreich-Chef des überkonfessionellen Hilfswerks „Open Doors“, macht dafür im NFZ-Interview besonders die Politisierung und Radikalisierung des Islam verantwortlich.

NFZ: „Open Doors“ spricht von der „größten Christenverfolgung“ aller Zeiten. Wie erklären Sie sich, dass sich das kaum in den Medien oder christliche Flüchtlinge kaum in den Asyl-Statistiken des Innenministeriums niederschlagen?

Igler: Alle Experten sind sich einig, dass heute 75 bis 80 Prozent aller aus religiösen Gründen verfolgten Menschen Christen sind. Den Weg in die Medien finden leider nur schlimme punktuelle Ereignisse, aber nicht die alltägliche Diskriminierung. Etwa in Malaysia wird von der Regierung die Durchsetzung der Scharia für alle Bürger, nicht nur für Muslime, vorangetrieben. Dies wird von Saudi-Arabien massiv unterstützt, nicht nur in Malaysia. Insbesonders ein Religionswechsel von Muslimen wird praktisch verunmöglicht.

NFZ: Auf den ersten zehn Plätzen ihres „Weltverfolgungsindexes 2017“ stehen hinter der Ausnahmeerscheinung Nordkorea nur islamische Staaten. Ist das eine neue Entwicklung?

Igler: Islamische Länder waren seit Erstellung des Indexes vor 25 Jahren immer weit vorne. Die Christenverfolgung in der islamischen Welt hat sich aber in den letzten Jahren massiv verstärkt. Das ging Hand in Hand mit der Politisierung und Radikalisierung des Islam weltweit. Zugleich gibt es immer mehr Übertritte von Muslimen zum Christentum. Man schätzt, dass sich etwa im Iran 500.000 Konvertiten im Untergrund treffen, um staatlichen Repressalien zu entgehen.

NFZ: Es gab Übergriffe auf christliche Flüchtlinge in deutschen Asylunterkünften, islamistische Anschläge in ganz Europa. Muss man wegen der hauptsächlich islamischen Massen-Asylbewegung auch in Europa vermehrt mit religiös motivierten Straftaten rechnen?

Igler: Wir sehen, dass viele Konflikte aus den Herkunftsländern jetzt in Europa ausbrechen, auch in Österreich. Wir mussten auch erfahren, dass Jesiden und geflüchtete Christen in deutschen Asylquartieren von muslimischen Flüchtlingen massiv unter Druck gesetzt, sie und zurückgebliebene Familienangehörige bedroht werden. Das ganze wird häufig von den Unterkunftsbetreibern oder dem Wachpersonal gedeckt. Das heißt, diese Menschen sind nicht einmal hier im christlichen Europa vor ihren Verfolgern sicher.

NFZ: Was hätten Sie an der aktuellen Flüchtlingspolitik geändert?

Igler: „Open Doors“ erhebt die Forderung, dass es bei der Einreise eine lückenlose Registrierung gibt, auch des religiösen Bekenntnisses, um den wirklich Schutzbedürftigen zu helfen. Das sollte dann auch bei der Unterbringung der Asylwerber berücksichtigt werden. Vor allem Menschen, die schon ihrer Heimat verfolgt wurden, wie eben viele Christen, sollten getrennt untergebracht werden. Auch das Personal sollte besser ausgesucht und geschult werden, um Vorfälle wie in Deutschland zu unterbinden.

NFZ 13.04.2017


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