Skip to main content
08. November 2019 | FPÖ, Wahlen

Die ÖVP, eine Zeitung und ihre Kampagne

Die „Kronen Zeitung“ inszeniert rechtzeitig vor der Steirer-Wahl für die ÖVP einen „Liederbuch-Skandal“.

Die ÖVP, eine Zeitung und ihre Kampagne - Die „Kronen Zeitung“ inszeniert rechtzeitig vor der Steirer-Wahl für die ÖVP einen „Liederbuch-Skandal“.

Foto: FPÖ

Niederösterreich-, Europa-, Nationalrats- und jetzt die Steiermark-Wahl: Keine Wahl ohne FPÖ-Skandal, aus dem die ÖVP den größten Nutzen zieht. Diesmal ist – mit großzügiger Unterstützung der auflagenstärksten Tageszeitung – wieder einmal ein „Liederbuch-Skandal“ an der Reihe, um die Freiheitlichen anzupatzen.

Was dem „Falter“ 2018 vor der Landtagswahl in Niederösterreich gelang, einen Wahlgang mit einer „Liederbuch-Affäre“ zu beeinflussen, versucht die „Kronen Zeitung“ jetzt in der Steiermark. Um einen Konnex zur FPÖ herzustellen, zimmerte sich die Zeitung ein abenteuerliches Verantwortungs-Konstrukt zurecht.

Verantwortlichkeit der FPÖ?

Die „extrem widerliche und zutiefst antisemitische“ (O-Ton Sebastian Kurz) Liedersammlung wurde der Schülerverbindung „Pennales Corps Austria zu Knittelfeld“ vor Jahren von einer Grazer Burschenschaft geschenkt. Das „brisante Detail“ dabei, so die „Krone“, dass zwar laut Vereinsregister kein FPÖ-Funktionär Obmann ist, aber der FPÖ-Abgeordnete Wolfgang Zanger ein prominentes Mitglied, ja sogar „Altherrenobmann“ sei. Und Zanger gestand auch noch, ein Exemplar des Buches geschenkt bekommen zu haben.

Damit war die volle Verantwortung der FPÖ für den Druck, die Verbreitung und natürlich das ständige Absingen der Lieder aus tiefster Überzeugung für die „Krone“ wie auch die linke Empörungsschickeria bewiesen. Logisch ist das zwar nicht, aber die „Krone“ bezeichnet sich ja auch als „unabhängig“.

MKV hui, Burschenschafter pfui

Aber nicht nur im Buch der Knittelfelder Schülerverbindung, sondern auch in Liederbüchern des katholischen und ausgesprochen ÖVP-nahen Mittelschüler-Kartell-Verbands (MKV) war das gleiche „extrem widerliche und zutiefst antisemitische“ (O-Ton Sebastian Kurz) Lied abgedruckt.

Was der Empörungsmeute dabei allerdings entging, es handelt sich dabei um ein satirisches Schmählied auf die Deutschtümelei der Nationalsozialisten. „Diese Lieder sind historisch zu sehen und daher auch historisch aus der Entstehungszeit zu beurteilen“, versuchte der steirische Korporationssprecher Wolfgang Auf das zu erläutern.

Antisemitische "Anreicherung"

Während man dem MKV diese Erklärung abnahm, traute man der Knittelfelder Schülerverbindung, den Burschenschaftern und Wolfgang Zanger diese Kenntnis natürlich nicht zu, vor allem von Seiten der „Kronen Zeitung“. Im Gegenteil, so hätten es „nationale schlagende Verbindungen“ sogar mit „antisemitischen Strophen angereichert und damit die Bedeutung quasi umgekehrt“, versuchte sich ÖVP-Verfassungssprecher Wolfgang Gerstl als Literatur-Experte – ohne freilich einen Beweis dafür vorzulegen.

Inszenierte ÖVP-Scheinheiligkeit

Dass sich auch die ÖVP mit und über ihre neue Parteizeitung, der „Krone“, über das Liederbuch echauffierte, wertete FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker als „pure Heuchelei oder schiere Unkenntnis über das eigene Liedgut“. Denn ein Leopold Figl, ein Julius Raab oder aktuell die Landeshauptmänner Wilfried Haslauer, Günther Platter und Hermann Schützenhöfer, die EU-Politiker Otmar Karas und Franz Fischler, aber auch der ehemalige Kanzleramtsminister Gernot Blümel, der ehemalige Finanzminister Hartmut Löger, der ehemalige Vizekanzler Reinhold Mitterlehner oder der aktuelle Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka waren oder sind MKV-Mitglieder und dürften das „extrem widerliche und zutiefst antisemitische“ Lied gekannt, wenn nicht sogar selbst gesungen haben.

Muss auch Kurz die ÖVP "säubern"?

Als sich schließlich ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer zur Aufforderung verstieg, dass Norbert Hofer in der FPÖ „endlich aufräumen“ solle, fragte Hafenecker in einer Replik – unter Verweis auf das „extrem widerliche und zutiefst antisemitische“ (O-Ton Kurz) MKV-Liedgut –, ob Nehammer jetzt auch Sebastian Kurz auffordern werde, die ÖVP zu säubern?

Die Partei, die am lautesten über „Schmutzkübel-Kampagnen“ klagt, ist wieder einmal dabei, selbst eine zu inszenieren: die vormals türkise ÖVP.


© 2020 Freiheitliche Partei Österreichs. Alle Rechte vorbehalten.