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25. Februar 2016 | Euro, Europäische Union

„Bargeldverbot ist Vorstufe zu einer Währungsreform“

Thomas Bachheimer, Europapräsident des Goldstandard Instituts, im NFZ-Interview

Thomas Bachheimer

Foto: Robert Lizar

NFZ: Herr Bachheimer, die Europäische Zentralbank hat unlängst gefordert, den 500-Euro-Schein abzuschaffen. Sie argumentiert, dass man damit Korruption und Geldwäsche aber auch die Terrorfinanzierung bekämpfen könnte.

Bachheimer: Wir wissen alle, dass Schwarzarbeit, die Mafia, Terrorismusfinanzierung nicht mit ein paar verbotenen 500-Euro-Scheinen eingedämmt werden können, die haben ganz andere Möglichkeiten. Es ist auch sehr fraglich, warum uns eine überregionale Zentralbank, die wir nie demokratisch gewählt haben, ein Bargeldverbot diktieren kann, aber auch warum sie es will oder braucht. Bargeldverbot ist per se ein Verbrechen an der Demokratie.

NFZ: Argumentiert wird auch, dass man mit einer Bankomatkarte leichter einkaufen könne, als umständlich mit Scheinen und Münzen zu bezahlen.

Bachheimer: Der Hintergrund ist ganz ein anderer. Die Bürger vertrauen den Banken nicht mehr und wollen sich dem Kreislauf entziehen. Ich habe sogar einen Bekannten, der sein Geschäft damit macht, in der Schweiz für größere Institutionen Bargeld in Tunneln zu lagern. Damit aber die Banken die Kontrolle über den Geld-Kreislauf behalten, soll offenbar das Bargeld abgeschafft werden, womit das Vermögen auf den Konten bleibt. Auch kann ein „Bank-Run“ so verhindert werden, wenn die Menschen merken, dass es „kracht“ und sie ihr Geld in Sicherheit haben wollen. Schließlich haben wir Bankenkrisen allerorts, 24 Prozent aller weltweiten Staatsanleihen rentieren mittlerweile negativ. Die Bürger werden dadurch mit ihrem Ersparten zur Kassa gebeten, was sie verständlicherweise nicht wollen.

NFZ: Wenn das Bargeldverbot irgendwann doch kommt, was wird dann passieren?

Bachheimer: Die Banken können mit Negativ-Zinsen, die es in einigen Ländern ja schon gibt, die Bürger enteignen. Der zweite, wesentlichere Aspekt ist, dass solange Bargeld im Umlauf ist, es de facto eine „Bankrun“-Gefahr und somit einen Mindestreservesatz gibt und daher die Banken nicht so frei Kredite verteilen können, wie sie es gerne tun würden. Wenn das Bargeldverbot kommt, können die Banken unbegrenzt Kredite vergeben und dann kommen wir in ein hochinflationäres Szenario – sprich Bürgerenteignung.

NFZ: Mit welcher Konsequenz?

Bachheimer: Es endet möglicherweise in einer Währungsreform, die ebenfalls zu Lasten der Bürger geht. Das Bargeldverbot ist ja nichts anderes als eine Vorstufe dahin. Im Jahr 1948 wurden bei einer Währungsreform Sparguthaben und Kreditschulden von der alten in die neue Währung unterschiedlich umgetauscht. Darin liegt der Schnitt des Staats- und Bankwesens bei einer solchen Reform. Der Bürger ist immer der Verlierer bei diesem Spiel.

NFZ 25.02.2016


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